Filmkritik: The Silent House (2011)

The Silent House

Filmbeschreibung:

Die junge Laura und ihr Vater Wilson haben beschlossen die nächsten Tage in einem leer stehenden Haus zu verbringen, um dieses für den Besitzer des Anwesens auf Vordermann zu bringen, damit der es anschließend weiterverkaufen kann. Der eng mit den Beiden befreundete Néstor zeigt ihnen also das Haus und gibt Ihnen auch einen besonders wichtigen Rat: Egal was auch passiert, keiner der Beiden soll in das obere Stockwerk des Hauses gehen. Doch bereits in der ersten Nacht wird die junge Laura von einem Geräusch vom Schlafen abgehalten und weckt ihren Vater, welcher nach oben geht um dem Ursprung der Geräusche auf die Schliche kommen will. Jedoch kommt er nicht wieder und Laura entschließt sich nun der Sache selbst auf den Grund zu gehen und macht dabei eine grausame Entdeckung. Zum Trailer

Filmkritik:

The Silent House ist wohl einer der verwirrendsten und mysteriösesten Filme, die ich bisher gesehen habe. Doch fangen wir einmal ganz Vorne an, denn bereits die Machart von The Silent House ist wohl etwas Einzigartiges, da The Silent House einer der beiden weltweit einzigen Filme ist, welche lediglich mit einer Handkamera gedreht wurden und auch angeblich keine Schnitte beinhalten – also in einem einzigen „Long-Take“ aufgenommen wurden. Warum angeblich?, ganz einfach, denn ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass man die ein oder andere komplett im Dunkeln spielende Szene genutzt hat, um einen kleinen Cut zu machen und der Darstellerin so eine kleine Pause zu ermöglichen. Das sei aber nun einmal dahingestellt, denn Belege gibt es dafür natürlich keine. Die Handlung von The Silent House ist nicht gerade als hochwertig anzusehen und wird nur durch wenige Dialoge gefüllt und mit noch weniger Pianoklängen und einigen schockierenden und beängstigenden Sounds untermalt. Die Atmosphäre ist im gesamten Film sehr düster gehalten und somit werden besonders die dramatischen und gruseligen Szenen in ihrer Wirkung verstärkt und in nahezu jeder einzelnen Minute von The Silent House rechnet man damit, dass etwas wirklich erschreckendes passiert. Abschließend noch etwas zu dem wohl wichtigsten Punkt in diesem Film – der Kameraführung. Hierzu bleibt wohl zu sagen, dass es sehr gewöhnungsbedürftig ist, nahezu den gesamten Film über aus einer Perspektive zu erleben und der Protagonistin immer und immer wieder – aus der Sicht des Kameramannes – über die Schulter zu schauen. Doch wer an Filmen wie Cloverfield, sowie REC 1 & 2 Gefallen finden konnte, der wird sicher hier auch die sehr lukrative Machart von The Silent House zu schätzen wissen und sich an dieser erfreuen. Vieler Schauspieler bedarf der Film ebenfalls nicht und so ist es kein Wunder, dass sich die Produktionskosten von The Silent House mit mickrigen 6000$ abdecken lassen. Leider sind es jedoch besonders die ungeklärten Fragen und die Ungereimtheiten in der Handlungsabfolge von The Silent House, die in der Wertung für enorme Abzüge sorgen und das Potenzial des Films stark einschränken.

Filme-Blog Wertung: 4/10

Vier magere Sternchen gibt es für The Silent House. Einen einzigartigen Film, mit einer Menge an nicht genutztem Potenzial. Lediglich die Machart des Films und die sehr gut aufrecht erhaltene düstere und beklemmende Atmosphäre können hier wirklich überzeugen. In Sachen Story ist und bleibt The Silent House einfach zu schwach und auch die wenigen Dialoge haben nicht wirklich viel Inhalt, da man auch am Ende von The Silent House immer noch nicht die Botschaft kennt, die der Film seinem Betrachter eigentlich vermitteln wollte. Interpretationsfreiraum bleibt hier zum Ende hin einfach deutlich zu viel, denn aufgeklärt wird hier nahezu keiner der gegeben Sachverhalte und auch einige Fragen, welche die Glaubwürdigkeit des Films doch stark einschränken bleiben vollkommen ungeklärt und sorgen wohl bei ausnahmslos jedem Betrachter von The Silent House für Verwirrung.

Info:

Eines macht The Silent House auf jeden Fall zu etwas ganz Besonderem, denn der Film wurde in einem Durchgang – also angeblich ohne Schnitte – mit einer einzigen Handkamera gefilmt. Somit ist The Silent House weltweit der einzige Horrorfilm, der mit einer hochwertigen Canon EOS-5D Kamera, in nur vier Tagen gedreht wurde.

Außerdem basiert The Silent House auf einer wahren Begebenheit, welche sich ähnlich in den 40er Jahren in einem kleinen Ort in Uruguay abgespielt hat. Fraglich bleibt jedoch, in welchem Maße Gustavo Hernández hier seiner Fantasie freien Lauf gelassen, und die Story dementsprechend dramatisiert hat.

Interpretation:

Wirklich Erklärung für das Ende von The Silent House wird man wohl nie liefern können, da die wenigen Dialoge im Film nicht wirklich bei der Aufklärung helfen. Die einzig denkbare Interpretation meinerseits wäre wohl, dass Laura – die Tochter – am Ende des Films besessen war und deshalb ihren Vater umgebracht hat. Wie sie das jedoch getan haben soll, während sie unten im Haus war und er oben, bleibt jedoch sehr fraglich. Möglich wäre das sich eine dritte Person im Haus befand, vor der sich Laura auch im Haus versteckt, bevor Néstor mit in das Geschehen eingriff, auf die jedoch später keiner mehr zu sprechen kam. Néstor und Laura scheinen also eine Affaire gehabt zu haben und gleichzeitig müssen auch Laura’s Vater und Néstor einige Junge Mädchen verführt haben, was die Bilder an der Wand im Keller zu belegen scheinen. Laura Kind ist wohl gestorben und deshalb wollte sie Rache an Néstor nehmen. Das würde auch das Erscheinen des kleinen Mädchens erklären. Jedoch können hier viele Sachen einfach nicht stimmen, da es noch einer Person Bedarf, welche Laura’s Vater tötet, die Kamera bewegt, Néstor im Keller fesselt und all solche Sachen, denn Laura hat man über die gesamte Länge von The Silent House zu jeder Zeit im Blick.

Filmfazit:

Innovativ und einen Blick wert ist The Silent House allemal, dennoch sollte man sich hier vor dem Ansehen die Frage stellen, ob man sich wirklich durch die vielen mysteriösen und bis zum Ende ungeklärten Geschehnisse, sowie die plumpe Handlung einlassen möchte, auf welche im Film nicht wirklich viel Wert gelegt worden zu sein scheint. Die Machart ist in jedem Fall einzigartig und wird Fans von Filmen wie Quarantäne auf jeden Fall begeistern.

Filmtrailer:

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5 Gedanken zu “Filmkritik: The Silent House (2011)

  1. Muss mir den unbedingt noch ansehen – trotz den mageren vier Sternchen!
    Es gibt ja so einige Filme, die von sich behaupten komplett in einem Durchgang gedreht zu sein; bin gespannt, wie bei Silent House getrickst wurde!
    Irréversible erschafft die Illusion der 1,5 stündigen Plansequenz ja auch – und zwar meisterlich!

  2. Ich habe mir den Film mit zwei Freundinnen angesehen und wir finden diesen komig.
    Aus folgendem Grund:
    Das Ende ist ziemlich unverständlich, da nicht richtig beschrieben wird wer den Vater umgebracht hat, warum der Vater umgebracht wurde und wer der Kameramann ist.
    Wir interpretieren den Film wie folgt:
    Das Mädchen soll mit ihrem Vater das Haus von einem Freund renovieren.
    In der Nacht (oder am Tag keine Ahnung) hört Laura (Name des Mädchens) Geräusche in der oberen Etage. Sie weckt ihren Vater und teilt es diesem mit. Dieser geht nach oben um zu gucken was dort ist. Laura bleibt unten. Dann hört Laura ihrenn Vater schreien und bekommt Panik. Wir gehen davon aus, dass eine dritte Person im Film den Vater umgebracht haben muss, da Laura immer gezeigt wird und zu der Zeit unten war. Man versteht die ganze Geschichte an sich nicht soo genau unserer Meinung nach..

    • Ich denke mal die Sache mit dem “Wer ist der Kameramann” dürfte für den Film ziemlich irrelevant sein, denn schließlich könnte man sich diese Frage bei jedem anderen Film genauso gut stellen und irgendwer muss ja schließlich für die Kamera zuständig sein, wenn man sich schon für eine durchgängige Handkamerasicht entscheidet…

      Und das mit der Verwirrung durch eine eventuell vorhandene dritte Person wäre sicher sehr gut denkbar und doch wird dem Betrachter an dieser Stelle sehr viel Freiraum zum Interpretieren gegeben und wirklich alles zu verstehen scheint in The Silen House wohl ziemlich unmöglich zu sein….

      Ich würde mich eurer Sichtweise zumindest teilweise anschließen und dennoch gibt es eben einige Sachverhalte, die sich einfach nicht erklären lassen… Die mysteriöse dritte Person hat aber meiner Meinung nach weniger mit der Storyline zu tun, als die übernatürlichen Kräfte und das Thema Besessenheit, wie es auch in Paranormal Activity 1+2 der Fall war…

  3. Der Film erinnert mich an moderne Kunst, bei der ein weißer Punkt auf einer roten Leinwand schon als Kunstwerk verkauft werden kann. Ich verstehe nicht, wieso Filmemacher für sowas Geld bekommen, im Ernst, für mich müssen Filme eine Geschichte erzählen. Die muss nicht auf dem ersten Blick logisch sein, aber gar nicht verständlich sein ist einfach nur dumm… =_= Und wenn er richtig gruselig gewesen wäre, hätte er noch die nicht vorhandene Handlung wettgemacht, aber die erste Hälfte war gar nix, ein hechelndes Mädchen läuft mit ner Lampe durch das Haus. Es war weder gruselig noch spannend und irgendwann ging es mir einfach nur noch auf die Nerven, dass das Mädel NIX tut… so eine Zeitverschwendung…

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