Drive (2012)

drive

Filmbeschreibung:

Der Protagonist von Drive hat keinen Namen. Er ist nur der Driver, der Fahrer. Der Driver arbeitet tagsüber als Automechaniker und Stuntfahrer. Nachts wird er zum Fluchtwagenfahrer von Kleinkriminellen und Gelegenheitsgangstern, die ihn sich leisten können. Doch der Driver hat langsam genug von kriminellen Machenschaften. Er möchte gemeinsam mit seinem Boss ein eigenes Rennteam gründen und hat mit der allein erziehenden Nachbarin, Irene, eine neue Liebe gefunden. Doch natürlich kommt es anders. Dem Driver fällt eine Million Dollar in die Hände – Drogengeld eines lokalen Mafiabosses. Der versteht keinen Spaß und denkt, der Fahrer habe ihn übers Ohr gehauen. Als sich die Häscher der Mafia dann daran machen und Irene und ihre kleine Tochter bedrohen, gibt es für den Driver nur ein probates Mittel: Er muss in die Unterwelt der Mafiosi hinabsteigen und sie alle töten. Zum Trailer

Filmkritik:

Alle, die nach der Inhaltsangabe ein Actionfeuerwerk im Stile eines Große-Jungen-Films wie Fast and Furious oder eines Racheactioner wie Death Sentence – Todesurteil – erwarten, werden von Drive zweifellos maßlos enttäuscht sein. Drive ist ein reinrassiger Neo-Noir-Thriller, der geschickt Elemente verschiedener Genres vermischt und mit einer eleganten Bildästhetik aufwarten kann. Kein Wunder, schaut man sich die filmische Vita von Regisseur Nicolas Winding Refn an, der bereits mit Walhalla Rising oder der Pusher-Trilogie, Filme fernab des Mainstreams ablieferte. Drive ist bei all seiner Schlichtheit merkwürdig „cool“. Der Hautcharakter ist ein wortkarger Einzelgänger, der erstmal nicht wirklich unsympathisch, zumindest jedoch befremdlich erscheint. Kein Wort zu viel kommt ihm über die Lippen. Ryan Gosling (Gegen jede Regel, Wie ein einziger Tag, Crazy, Stupid, Love) verkörpert den Driver mit einer ganz eigenen Eleganz und einer unterkühlten Aura. Wenn es jemanden gibt, der eine Glitzerjacke mit grellem Skorpionbildchen auf dem Rücken tragen kann, ohne lächerlich zu wirken, dann er – Drive ist der Beweis. Seine mimische Breite ersetzt beinahe sein gesprochenes Wort: Während eine verbale Aktion des Drivers schon mal mehrere Minuten Anlauf benötigt, zeigt sich in seinem Gesicht bereits, was er sagen möchte. Der namenlose Held ist dabei durch seinen Titel „Driver“ alleine auf seine Funktion reduziert; doch dies täuscht, schaffen Gosling und Winding Refn doch einen durchaus vielschichtigen, menschlichen Charakter.

Filme-Blog Wertung: 8/10

In gewisser Weise ist Drive eine Hommage an das Grindhouse-Kino der 60er und 70er Jahre und gleichzeitig auch an französische Arthouse-Produktionen. Das muss man erstmal schaffen, ein Film, der sich eines uramerikansichen Themas annimmt, sieht europäischer aus, als alles was in den letzten Jahren aus dem Hause Luc Bessons gekommen ist. Interessant auch, wie Winding Refn Gewalt als Stilmittel einsetzt. Brutale Ausbrüche des Protagonisten lassen ihn umso (un-)menschlicher erscheinen und sind gleichzeitig artifizieller Höhepunkt des Gezeigten: Das Zertrümmern eines Schädels kann so schön abstoßend sein… Der Film verzichtet völlig auf eine ironische Brechung des Gezeigten; diese Eigenart ist ja vielen „neuen“ Grindhouse-Filmen anzumerken. Drive hingegen nimmt sich und seine ikonischen Charaktere ernst. Er haucht ihnen Leben ein und lässt sie atmen, lieben und sterben. Der Soundtrack ist dann das, was den Streifen wirklich zu etwas besonderem macht. Unterkühlte Synthie-Pop-Indie-Klänge untermalen das stilvolle Geschehen – passender hätte es nicht sein können.

Filmfazit:

Grindhouse trifft Arthouse trifft Film Noir – Drive ist ein Must See für jeden der „andersartige“ Filme bevorzugt. Alle, die sich nicht auf Winding Refns Regiestil einlassen, werden nach zehn Minuten abschalten oder eingeschlafen sein.

Filmtrailer:

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2 Gedanken zu “Drive (2012)

  1. ein action-film, der etwas ruhigeren art
    ruhigeren art könnte ein anflug von story sein, denn wenn ein action-film keine sinnlose action hat, so müsste er ja zumindest eine vernünftige story haben, aber meh… die story beginnt eher mager, spickt sich dann mit ein paar klischees weiter zum mittelteil, füllt dies dann mit einigen splatter und lässt es dann ruhig und sanft mit einer musikalischen untermalung abklinken – viel story ist da nicht vorhanden und das einzige was an diesem etwas “andersartig” ist, dass es kaum action, dafür aber überraschend viel splatter aufweist ohne es von außen anzukündigen

    die charakterer sind nicht schlecht, die rolle des shannon ist da meiner meinung nach das problem-kind, da ich den schauspieler von malcolm’s vater einfach nicht ernst nehmen kann
    der hauptcharakter wirkt zunächst kühl und besonnen, verliert kaum worte und wirkt auch professionell
    doch ist das nur die ruhe vor dem sturm und man könnte ihn meiner meinung nach am besten mit dem bekannten sprichwort “stille wasser sind tief” beschreiben – spätestens wenn der klischee-teil beginnt, verliert er für mich an symphatie, bis er dann völlig durchknallt (ach und “schön” ist bei dem abstoßenden nichts dran) und letzlich sich ein wenig fängt
    zumindest der schauspieler von nino ist mir überraschenderweise symphatisch, auch wenn die rolle dabei zweitrangig erscheint

    alles in allem ist das film der zwischen “wow” und “wouh…”-effekten hin und her gerissen wird, wobei die letzteren traurigerweise letzten endes überwiegen – zumindest ist das ende halbwegs gelungen, denn da hätte er auch einen großen fehler machen können

    persönliche wertung: 6/10

  2. was ich an dem film mochte ist die tatsache, das er elemente aus den 80er jahren nimmt und doch irgendwie was neues draus macht – den sollte man meiner meinung nach gesehen haben!

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