The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in Texas (1974)

TCM

Filmbeschreibung:

Fünf Jugendliche sind unterwegs durch die texanische Einöde. Nach einer kurzen Rast geraten sie in die Fänge einer barbarischen Hinterwäldlerfamilie. Angeführt von dem sadistischen Grandpa und dem infantilen, Menschenhautsammler Leatherface werden die Fünf nach und nach gefangen genommen, gequält und schließlich getötet… Mann Leute, das hier ist Texas Chainsaw Massacre – was wollt ihr also für eine Inhaltsangabe hör’n!? Zum Trailer

Filmkritik:

Es ist der absolute Wahnsinn! Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich das einmal schreiben könnte: Texas Chainsaw Massacre von 1974, der in Deutschland lange unter dem grandiosen Titel Blutgericht in Texas bekannt war, ist NICHT mehr indiziert, beschlagnahmt oder gar verboten! Zu verdanken haben wir diese wahrliche Fügung des Schicksals der Turbine Medien AG, die seit 2008 im Besitz der Rechte an dem Klassiker ist und seit dem für seine Rehabilitation stritt. Die Zensurgeschichte des Films ist eine einzige Posse, die aufzeigt, wie langsam deutsche Behörden, namentlich die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK), mahlen und wie erwachsene Bundesbürger noch im Jahr 2012 bevormundet werden. Die deutsche Kinoauswertung von Tobe Hoopers Klassiker von 1978 stellt die erste, extrem geschnittenen Version des Films auf deutschem Boden dar. 1982 sollte sich dann der Zensurmechanismus, der sich zuvor bereits in Frankreich und England abgespielt hatte, in der Bundesrepublik wiederholen: Die bereits gekürzte Fassung wurde indiziert und anschließend sogar wegen Gewaltverherrlichung (§131 STGB) beschlagnahmt. Diese und eine weitere Beschlagnahme verjährten nach zehn Jahren, allerdings dauerte es noch bis zum Dezember 2011, dass das „Blutgericht“ eine ungeschnittene, deutsche DVD-Auswertung ohne Jugendfreigabe gewährt bekam. Nun also kann sich jeder Volljährige das Teil daheim hin holen. Und was das für ein Teil ist! Tobe Hoopers Terrorstreifen erscheint in einem tollen 4-Disc-Media-Book, welches keine Wünsche mehr offen lässt. Bild und Ton wurden digital geremastered, versprühen aber noch immer den Charme eines alten VHS-Tapes. Mit anderen Worten, die Qualität ist top, die Authentizität leidet darunter jedoch in keinster Weise. Aber zum Film: Es geht um Texas Chainsaw Massacre! Ein Name wie ein Donnerknall; wie er programmatischer nicht sein könnte und wie er trotzdem völlig falsche Erwartungen an den Film eröffnet. Kein Wunder, dass Halbgötter wie Christoph Schlingensief (R.I.P.) oder die Jungs von K.I.Z. („Das Rap Deutschland Kettensägenmassaker“) sich zumindest titeltechnisch an dem Prototyp des modernen Terrorfilms orientieren. Regisseur Tobe Hooper drehte seinen kleinen, dreckigen Bastard unter widrigen Bedingungen. 80.000 US-Dollar sollte der Film schließlich, ungefähr, kosten. Darsteller waren zum größten Teil Schauspielschüler – was man, wenn man ehrlich ist, dem Film auch ansieht. Oh ja, Texas Chainsaw Massacre ist ein billiger Film, aber er zeigt, was aus einem kleinen Projekt mit großen Ambitionen werden kann – nicht weniger als der Ursprung des heutigen Terrorfilms. Ausnahmslos alle Kennzeichen und Merkmale eines modernen Backwood-Slashers finden sich in Texas Chainsaw Massacre wieder. Das niedrige Produktionsniveau lässt den Film dabei umso gewalttätiger, realistischer und abstoßender erscheinen. Wahnsinnig gut auch die Musik. Musik trifft es eigentlich nicht; es ist eher eine Aneinanderreihung von Geräuschen, die eine ganz ureigene, archaische Klangkulisse bilden, die den Film in seiner Bedrohlichkeit massiv aufwerten. Möchte man zur allgemeinen Verfügbarkeit des Terror-Klassikers überhaupt etwas negatives sagen, dann dass mit eben jener, wohl der Nimbus des Films, einer der gewalttätigsten und abstoßendsten Filme aller Zeiten zu sein, endgültig der Vergangenheit angehören wird. Texas Chainsaw Massacre ist in seiner Gewaltdarstellung nicht explizit. Anders als das Michael Bay Remake und sein Nachfolger geht es im Original um das Beschwören einer albtraumhaften Atmosphäre des absoluten Unheils. Die meisten Morde geschehen im Off. (Kunst-)Blut fließt nicht in Strömen, sondern tröpfelt nur ein wenig vor sich hin. Dass das katholische „Lexikon des internationalen Films“ den Film dennoch als „Hemmungslos sadistischer Horrorfilm mit nervtötendem Soundtrack, technisch wie inhaltlich gleichermaßen niveaulos“ bezeichnet, sagt viel über die Publikation aus.

Filme-Blog Wertung: 9/10

Texas Chainsaw Massacre ist einer der wenigen guten Filme von Tobe Hooper. Konnte man sich seinen „Poltergeist“ auch noch ansehen, sind insbesondere seine Spätwerke („Toolbox Murders“, „Mortuary“) unterste Genre-Schublade. Keine Kameraeinstellung, kein Funken Genialität lässt daran denken, dass dieser Mann einmal DEN Prototypen des modernen Terrorfilms geschaffen hat.

Filmfazit:

Texas Chainsaw Massacre ist nicht mehr indiziert oder beschlagnahmt! Alleine dafür gibt es eigentlich schon die neun Sternchen! Dass es sich bei dem Film, um die Geburt eines Genres handelt, ist da nur noch eine Randnotiz.

Filmtrailer:

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3 Gedanken zu “The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in Texas (1974)

  1. Das Remake ist nicht so gut gelungen wie das Original, jedoch muss ich sagen:
    Texas Chainsaw Massacre – Ein Film mit STIHL

    • :D
      Das Remake bedient ja auch ein völlig anderes Klientel bzw. ist ein Horrofilm für eine völlig andere Generation. Trotzdem ist es für mich einer der besten Filme aus Bays Remake-Schmiede Platinum Dunes. Würde ihm wohl eine Acht geben…

  2. Kenne leider nur das Michael Bay Remake, welches ich btw gar nicht mal sooo schlecht empfunden habe, was sich nach der Aufhebung der Indizierung wohl auch bald endlich mal ändern dürfte. Bin auf jeden Fall schon sehr gespannt darauf, was hier nun wirklich auf die Leinwand gezaubert wurde.

    Sehr schöne Kritik übrigens ;)

    lg. Simon

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