Rampage – Rache ist unbarmherzig (2010)

Rampage

Filmbeschreibung:

Bill Wiliamson ist scheinbar ein ganz gewöhnlicher, 23-jähriger Junge. Er hat keine wirklichen Ziele, lebt in den Tag hinein und wirkt permanent desinteressiert. Doch hinter der unscheinbaren Fassade versteckt sich ein anderer Bill. Ein Bill, der wie er es in seinem Blog beschreibt, der Überbevölkerung auf der Erde mit rabiaten Mitteln zu Leibe rücken möchte. Bill plant einen Amoklauf. Mit einer selbstgebauten Kevlarweste und zwei Maschinenpistolen zieht er in seinen ganz persönlichen Krieg gegen die Gesellschaft, das System und generell, alle die ihm auf die Nerven gehen. Da wird selbst der Coffe-Shop-Betreiber, der ihm seinen doppelten Espresso Macchiato verhunzt, nicht verschont. Doch hinter Bills Amoklauf steckt etwas ganz anderes, als es zunächst den Anschein hat… Zum Trailer

Filmkritik:

Mit Filmen von Dr. Uwe Boll ist das ja immer so eine Sache. Seine Frühwerke (House of the Dead, BloodRayne, Alone in the Dark) sind übelster Trash, die so mies sind, dass nicht mal Fans des Genres etwas damit anfangen können. Doch irgendwann – vielleicht in der Zeit als er Postal drehte – fing Boll an, die Grenzen des guten Geschmacks in seinen Filmen bewusst auszureizen. Somit provozieren seine Filme heute vielleicht mehr als früher. Tunnel Rats, Stoic, Seed und eben auch Rampage zeigen, dass er Filme machen kann und nicht nur unfreiwillig trashigen Mist. Natürlich ist auch Rampage weit davon entfernt ein guter Film zu sein, doch gerade durch seine provokante, nihilistische Herangehensweise, entfaltet er eine ganz eigene Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Natürlich wirkt hier auch die Figur Boll’s mit, der sich im Audiokommentar mal wieder als das enfant terrible des deutschen Films zeigt und über Hollywood, die deutsche Filmförderung und überhaupt Gott und die Welt herzieht. Inwiefern sie – die Figur Boll’s und der Film Rampage – jetzt wirklich so radikal sind, wie sie sich geben, sei jedem Betrachter selbst überlassen. Niemand kann jedoch leugnen, dass Boll mit Rampage ein heißes Eisen anfasst. War bereits Seed ein sehr brutaler Horror-Film, so setzt er mit Rampage noch einen drauf. Es ist nicht einmal die explizit gezeigte Gewalt, sondern die gesamte Thematik eines Amokläufers, der scheinbar wahllos Menschen auf offener Straße tötet, an der viele Rezipienten Anstoß nahmen und noch immer nehmen. Bemerkenswert ist, dass Boll den Amoklauf des Protagonisten emotional kalt und s darstellt. Es bleibt dem Zuschauer selbst überlassen, ob er findet, dass dadurch das Geschehen gewaltverherrlichend, dokumentarisch oder abstoßend inszeniert ist. Aus dieser Tatsache zieht der Film seinen größten Reiz. Es ist nicht einmal so sehr die – für einen Boll-Film – wendungsreiche Story mit Plottwist, die zum Weiterschauen animiert, sondern die Frage, die sich jeder Rezipient des Films stellen muss: Ist der Bill Williamson, der Amokläufer, eigentlich so unsympathisch? Ist seine „Philosophie“ wirklich so abwegig? „Alle reden nur, ich lasse Taten folgen“, sagt er abschließend direkt in die Kamera zum Zuschauer. Man kann dies als Appell Boll’s interpretieren, sein eigenes Leben zu überdenken. Gesellschaftskritisch geht es besonders in der ersten Hälfte des Films zur Sache. Da werden verschiedene Lebenseinstellungen gegenübergestellt: Die karriere-geilen Eltern Bills, sein rebellischer Freund Evan, der eigentlich alles, was kapitalistisch, kommunistisch, faschistisch, demokratisch, religiös, sozialistisch und anarchistisch ist, absolut scheiße findet und die Bedienung eines Fast-Food-Restaurants, der scheinbar alles egal ist, bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus dem boll’schen Kaleidoskop an Weltsichten. Natürlich ist die Antwort die Boll liefert zutiefst zynisch, aber so ist der Gute eben. Als Rezipient mag einem da schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben, ist Rampage doch über große Strecken SEHR plakativ (Stichwort: Schönheitssalon). An anderer Stelle (Bingo-Saal), bleibt ein übler Nachgeschmack, des schonungslosen Realismus.

Filme-Blog Wertung: 7/10

Besonders erwähnenswert erscheint die Tatsache, dass Rampage quasi komplett improvisiert ist. Zu Drehbeginn gab es kein Skript. Der vollständige Film entstand nur auf der Grundlage eines Treatments. Gerade unter diesen Vorzeichen ist das Spiel von Brendan Fletcher zu loben. Man kauft ihm die Rolle des psychopathischen, aber zu jederzeit klar planenden Zynikers fraglos ab. Die Nebendarsteller fallen gegenüber ihm zwar ein wenig ab, aber nicht störend auf. Handwerklich ist der Film gut gemacht. Der Handkamera-Stil erinnert an die Mockumentarys, die zurzeit so en vogue sind und ist natürlich nicht jedermanns Sache. Allerdings unterstreicht es die Atmosphäre des Films gebührend. Auch der Soundtrack ist eigentlich nichts Besonderes – das Rampage-Thema ist eigentlich nur uninspirierter Pseudo-Rock/Metal – trotzdem setzt er sich im Ohr fest.

Filmfazit:

Rampage – ein typischer Boll? Ja, aber irgendwie auch wieder nicht. Handwerklich hat sich der Mann gemacht. Auch die Story hat Potenzial und ist gewohnt zynisch und provokant. Boll-Fans finden’s eh geil; Boll-Hater eh scheiße. Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Für mich ist Rampage jedoch klar Boll’s Bester.

Filmtrailer:

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6 Gedanken zu “Rampage – Rache ist unbarmherzig (2010)

  1. Ohne den Film gesehen zu haben, und auch nach dem lesen der Kritik, kann ich nicht verstehen wie du einem uwe Boll Film 7/10 geben kannst. Und deine Kommentar bezüglich Seed kann ich net verstehen. Seed ist im Prinzip ein Haufen mist. Ich will net wie einer dieser genannten uwe Boll hater klingen. Ich habe mir einige Filme von ihm reingezogen, doch in meinem Augen kann ein Halbtoter Affe bessere Filme als uwe Boll machen.

    MfG

    • Boll bringt in die langweilige deutsche Kinolandschaft wenigstens etwas Pepp! Ich kann nicht verstehen, wie man ihn immer an den lahmen Erstlingswerken messen kann. Es sei mal dahingestellt, wie viel von diesem Independent-, Anarchostil wirklich von Boll verkörpert wird und was nur für die Medien inszeniert ist; unterhaltsam ist er und seine Filme allemal.
      Wenn dann noch handwerklich alles in Butter ist – wie bei Rampage – kann man auch einem Boll-Film schon mal 7/10 geben.

      Und wahrscheinlich könnte sogar ein toter Affe “bessere” Filme machen – aber nun mal keinen echten Boll-Film…

    • Bully!?!?! Ich bitte dich! Bully ist ein Grund für die lahme deutsche Szene!
      Nach Schlingensief bleibt uns nur noch Boll… :)

  2. Ich finde Bully macht, anders als Til Schweiger, gute Komödien, die man zugegebener Maßen nur als deutscher lustig finden kann, anderst als bei dem Franzosen von z.B Nichts zu verzollen. Aber ansonsten beinhalten Deutsche Filme immer die selben, langweiligen Themen :D

    • Im internationalen Filmgeschäft sind wir ja eh am abstinken :(
      Bullys Machwerke finde ich auch als Deutscher net lustig :) Kommerzieller Schrott :))

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