Killing Them Softly (2012)

killing them softly

Filmbeschreibung:

Frankie ist gerade aus dem Knast raus. Eigentlich ein glückliches Ereignis, doch die „Downward Spiral“ setzt just in dem Moment an, in dem sich die Zellentüren hinter ihm schließen und er seinen ersten Fuß in die neue Freiheit setzt. Frankie hat nämlich nun wieder das Recht überall hinzugehen und zu tun, was er möchte, allerdings fehlt dem Ex-Knacki Geld. An ehrliche Arbeit ist nicht zu denken; einerseits, weil Frankie keinen Bock drauf hat,andererseits, weil Männer wie er eh keinen Job bekommen. Eine Lösung des Geldproblems muss her und offenbart sich in Gestalt des Kleingangsters Johnny Amato. Frankie soll für den schmierigen Johnny ein illegales Pokerturnier überfallen. Geht schnell, ist risikoarm und bringt was rein, denkt sich dieser und so ist es dann auch fast. Nach etwas hin und her schaffen es Frankie und sein Kumpel Russell mit dem erbeuteten Geld zu fliehen. Doch die Abgezockten lassen nicht mit sich Spaßen und heuern den Profikiller Jackie Cogan an – und wenn Jackie Cogan einen Auftrag bekommt, dann führt er ihn verdammt nochmal aus. Auch wenn das Opfer eine so arme Sau wie Frankie ist… Zum Trailer

Filmkritik:

2008 liegt die amerikanische Wirtschaft ganz weit am Boden. Die Weltwirtschaftskrise hat die Nation so sehr getroffen wie wenige Andere. Die Leidtragenden sind nicht in erster Linie die Verursacher, Banker und Manager, sondern ganz normale Leute. Leute, die keine Sozialversicherung haben, kein Geld und keine Rücklagen (mehr). Besonders heftig trifft der Bankencrash auch jene Menschen in New Orleans. Jene Stadt, die 2005 vom verheerenden „Jahrhundertsturm“ Katrina heimgesucht wurde, befindet sich drei Jahre später noch immer im Aufbau. Wo die Häuser schon wieder stehen, ist es vor allem die Moral der Menschen, die noch etwas Restauration bedarf: Kleinkriminelle und Gangster erschufen sich einen regelrechten Mikrokosmos in eben jener Stadt im südöstlichen Amerika. Doch selbst jene Ökonomie des Verbrechens und des schnellen Geldes liegt am Boden. Und genau hier setzt Andrew Dominiks (Chopper, Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford) Film an – und vermischt gleich einmal die Realität mit filmischer (Vor-)Ahnung. In diesen USA liegt wie gesagt alles am Boden. Dominiks Vereinigte Staaten sind kein Land der unbegrenzten Möglichkeiten mehr, wie es Knastbruder Frankie das eine ums andere Mal feststellen muss. Die, die in diesem Land überleben, sind die Gewissenlosen – und, oh ja, wie sie überleben. Sie leben in Saus und Braus; auf der Strecke bleibt da zwar die Gerechtigkeit, doch was interessiert es schon den aus der Anomie Vorteile ziehenden. Doch selbst jene „Gewinner des Verlusts“ sind in Dominiks Killing Them Softly nur leere Hüllen. Der, der sich selbst treu geblieben ist, ist der abstoßendste von allen: Berufskiller Jackie Cogan. Ihn interessiert nicht was er tut oder für wen er es tut. Ihn interessiert nur, wie er seinen Auftrag ausführt. Cogans Gewerbe ist das, was blüht. Nicht das Glücksspiel, nicht die Prostitution und erst recht nicht legale Tätigkeiten: Ein Mörder wird in jener Zeit mehr gebraucht, als alles andere. Und jene Hoffnungslosigkeit äußert sich bei Killing Them Softly eben nicht in zerschossenen Köpfen, verrauchten Hinterzimmer-Runden oder der billigen fünf-Dollar-Nutte, die auf Crystal Meth ist, nein, sie äußert sich in langen Gesprächen, die ob ihrer Schlichtheit so manchem Zuschauer auf die Nerven gehen können. Dieser Zuschauer ziehe bitte von der nun folgenden Wertung fünf Punkte ab.

Filme-Blog Wertung: 8/10

Andre Dominik inszeniert anders, als andere Regisseure. Er inszeniert langsam und bedächtig. Ähnlich wie bei dem kongenialen Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, einem Meisterwerk der Langsamkeit, ist das Narrative bei Killing Them Softly in die ersten 15 und die letzten 20 Minuten gepackt. Dazwischen passiert wenig, was die Handlung wirklich vorantreibt. Dazwischen liegt aber so viel, was den Regisseur Dominik, die USA, das Medium Film und uns Menschen ausmacht, dass es schwierig ist, es zu beschrieben. erneut setzt Dominik auf Brad Pitt (Troja, Fight Club, Rendezvous mit Joe Black) in einer Hauptrolle. Und so wie Pitt MÜSSEN Killer in einem Film gespielt werden, der mehr sein will, als ein Neo-Noir-Drama. Pitt ist nicht cool oder eiskalt im herkömmlichen Sinne – wie es Berufskiller ja ansonsten sein müssen – er ist einfach pragmatisch. Und dieser Pragmatismus ist es, der ihn so beängstigend real werden lässt. Und dieser Pragmatismus lässt ihn als Gewinner aus allen Schlachten hervorgehen. Jemandem, der sich nicht für das Leben interessiert, kann man nicht mit dem Tode drohen.

Filmfazit:

Killing Them Softly ist langsam, behäbig und langatmig – genau wie Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford. Und genau wie jener moderne Klassiker, ist Andrew Dominiks aktueller Film ein Lehrstück über eine verdorbene Welt. Ganz großes Kino – nicht für jeden.    

Filmtrailer:

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Ein Gedanke zu “Killing Them Softly (2012)

  1. der film zeichnet sich durch langatmige, teilweise banale, aber sehr inhatlichvolle dialoge bzw. gespräche aus, die sowohl die einzelnen persönlichkeiten, aber vor allem auch die gesamtaussage des filmes wiedergeben: die welt ist verdorben
    die story könnte simpler kaum sein, der inhalt dafür umso aussagekräftiger – für mich persönlich war es nichts neues, dafür aber um so unterstreichender – es lohnt sich die dialoge in einem größeren kontext zu betrachten, da es meiner meinung nach das ist, was der film überhaupt verdeutlichen möchte
    oberflächlich betrachtet wirken sie nur wie gefassel, alte geschichten aus dem leben, im lichte der aussage aber sind sie wie eine unterstreichung mit ausrufezeichen
    mir gefällt die darstellung, die kameraführung wirkt für mich sehr gelungen, ebenso die musikalische untermalung in gewissen momenten
    was ich auch interessant fand, waren die aussagen bzw. nachrichten im hintergrund über amerika, die so offensichtlich wirkten, dass sie mehr als nur für die hintergrundgeräusche zuständig waren, was sich auch besonders gegen ende zuspitzt – auch da lohnt es sich etwas genauer zuzuhören
    was mir jedoch ehrlich gesagt auf die nerven ging nach ‘ner zeit waren die ständigen schimpfwörter, die attributiv in fast jedem satz mitspielten: “scheiß tür” hier, “verf*** hände” da, “besch*** geld” dort und das so oder so ähnlich immer und immer wieder … auch wenn das nur die aussage umso dicker untermalt, war das für mich teilweise eine geduldsprobe

    insgesamt finde ich den angemessen vom eigentlichen inhalt und interessant in der darstellung, doch bin ich mir sicher, dass das konzept von “killing them softly” bestimmt nicht jedermanns vorstellung trifft und aus eigener erfahrung von kollegen eher langweilig wirkt

    persönliche bewertung: 6-7/10

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