Spiel mir das Lied vom Tod (1969)

Spiel mir das Lied vom Tod

Filmbeschreibung:

Die Geschichte von Spiel mir das Lied vom Tod ist eine im Western oft erzählte. Deswegen hier nur ganz kurz: Mundharmonika, der Hauptcharakter, möchte Rache. Rache an Frank. Frank, ist ein skrupelloser Killer, der für den, der am meisten zahlt, schon mal eine ganze Familie inklusive Kleinkinder abschlachtet. So auch die Farmerfamilie McBain, die zufällig auf dem Land wohnt, das eine Eisenbahngesellschaft für ihre neue Route benötigt. Mundharmonika tut sich mit der einzigen Überlebenden der McBains, Jill, zusammen, um seinen Ureigenen Nemesis Frank zu töten. Doch was sind Mundharmonikas Beweggründe? Zum Trailer

Filmkritik:

Es ist eine der großen Szenen der Filmgeschichte: Eine Bahnstation im ausgehenden 19. Jahrhundert. Drei Männer warten auf dem Bahnsteig. Die Männer sehen gefährlich, brutal aus. Vertreiben sich die Zeit mit Nichtigkeiten – Fliegen im Pistolenlauf fangen, Wasser aus dem leckenden Wasserturm trinken. Der Zug fährt ein und wieder ab. Nur eine Person steigt aus. Nach einem kurzen Wortwechsel zwischen dem Fremden und den drei finsteren Gestalten bricht eruptiv die Gewalt hervor. Die Drei werden niedergemetzelt und auf dem staubigen Boden zurückgelassen. Mundharmonika, der Fremde, macht sich mit den Pferden der Erschossenen auf, auf eine Odyssee durch den Wilden Westen. So beginnt Sergio Leones Meisterwerk Spiel mir das Lied vom Tod von 1969. Ein Meisterwerk nicht nur für Leones Genre, den so genannten Spaghetti- oder Italo-Western, sondern für das gesamte Western-Genre, ja die gesamte Film- und Kinolandschaft. Die Geschichte eines Mannes (Mundharmonika), der sich an dem Mörder (Frank) seines Vaters rächen will, ist eine im Western oft erzählte. Doch Leone versteht es der ausgelutschten Story, zusammen mit dem famosen Soundtrack und Sounddesign von Ennio Morricone neue Impulse und eine beinahe unbeschreibliche Eleganz zu verleihen. Die oben beschriebene Eröffnungssequenz des Films steht prototypisch für das Sounddesign des Films. Bis zur Ankunft von Mundharmonika kommt sie ohne Musik und ohne Dialoge aus. Umweltgeräusche, Schritte und die Geräusche der Dampflokomotive bilden eine Geräuschcollage, anstelle einer musikalischen Komposition. Somit entsteht ein starker Kontrast zum Rest des Films, der quasi vollständig mit Musik- und Soundtrackuntermalung auskommt. Die Szene ist somit Hommage, wie gleichzeitig Persiflage, auf eine ähnliche Szene aus High Noon, die vollständig mit Musik unterlegt ist. Die Musik wird leitmotivisch eingesetzt, d.h. nahezu alle handelnde Personen werden mit einem eigenen Thema ausgestattet, das die Personen charakterisiert und ihre Beweggründe vorstellt. Insgesamt ist ein sehr hoher Anteil an musikalischer Untermalung auszumachen. Mindestens 50% des Films sind mit Musik unterlegt. Die hohe Bedeutung, die Leone und Morricone dem Soundtrack und dem Sounddesign bei Spiel mir das Lied vom Tod zumessen, zeigt sich bereits daran, dass ein Teil der Filmmusik, wie z.B. die Themen von Frank und Mundharmonika bereits vor Drehbeginn fertig gestellt wurden. So konnten einige Szenen um die Musik herum „komponiert“ werden. Leitmotivischer Einsatz von Musik ist zwar 1969 auch in Hollywood bekannt und fand bereits in us-amerikanischen Western Verwendung, allerdings unterbrechen Leone und Morricone die gängigen Muster an bestimmten Stellen. So beispielsweise bei der Entwicklung des Jill-Themas oder bei dem Einsatz der Musik bei dem McBain-Massaker. Hier wird die Musik auch genutzt um Spannung zu erzeugen, allerdings bleibt sie gleichzeitig Thema der handelnden Akteure und untermalt deren Handlungen und Reaktionen. Insgesamt lassen sich im Soundtrack vereinzelt Elemente erkennen, die Regisseur und Komponist bereits bei der so genannten Dollar-Trilogie „erprobt“ haben. Bei Spiel mir das Lied vom Tod wird nun der leitmotivische Musikeinsatz, ebenso, wie das Sounddesign zur Perfektion gebracht und ein audio-visuelles Meisterwerk erschaffen. Insofern ist die Musik für einen Leone-Western typisch, ja prototypisch anzusehen. Auch für das musikalische Schaffen Morricones ist der behandelte Soundtrack stellvertretend. Zwar verändert sich die Musik von Morricone im Laufe der folgenden Jahre, allerdings ist dies auch den diversen unterschiedlichen Genres zu verdanken, für die Morricone die Musik komponierte (vgl. hier vor allem den klassischen Soundtrack zu Salo). Spiel mir das Lied vom Tod erfuhr nach einem recht enttäuschenden Kinostart schon bald einen hohen Bekanntheitsgrad und gilt zu Recht als ein Klassiker des Genres

Filme-Blog Wertung: 9/10

Die Schauspieler agieren allesamt auf höchstem Niveau. Besonders hervorzuheben ist die Rolle von Henry Fonda. Das Publikum kannte Fonda bis dato nur als den strahlenden Western-Helden (z.B. spielte er den Wyatt Earp in Faustrecht der Prärie, 1946). In Spiel mir das Lied vom Tod mimt er den absoluten Konterpart: den eiskalten, brutalen Schlächter. Bereits hier zeigt sich, wie Sergio Leone die Konventionen des Western-Genres ironisch bricht, nur um sie im Anschluss neu aufzubauen und einen Meilenstein zu schaffen.

Filmfazit:

Spiel mir das Lied vom Tod zählt zurecht zu den ganz wichtigen Filmen der Geschichte des bewegten Bilds. Der Soundtrack und das Design des Films waren 1969 ihrer Zeit voraus. Bis heute ist Spiel mir das Lied DER Spaghetti-Western schlechthin!

Filmtrailer:

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6 Gedanken zu “Spiel mir das Lied vom Tod (1969)

  1. Leones sogenannte “Amerika-Trilogie”, ja, hast’ Recht.
    Wobei man sagen muss, das er nie mit dem Vorsatz angetreten ist, eine Trilogie zu drehen. “Todesmelodie” finde ich jetzt auch ehrlich gesagt nicht so überragend wie “Spiel mir das Lied vom Tod” oder “Teil3″ “Es war einmal in Amerika”….

  2. Diese Filme sidn bei mir allesamt 6-7 jahre her, es blieben mir halt ein paar in Erinnerung, und ich weiß halt das es ne inoffizielle Trilogie ist. An die anderen beidend er Trilogie kann ich mich nicht erinnern, auch wenn ich eigentlich schon lange mal einen Westernfilmabend machen wollte :D

    • “Es war einmal in Amerika” ist kein Western! Der spielt massgeblich zur Zeit der Prohibition und ist ein Pate-ähnlicher Mafia/Gangster-Film. Trotzdem sollte er bei eurem Filmeabend nicht rausfallen :) Ein klasse Film!

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