Filmkritik: Blair Witch Project 1 (1999)

Blair Witch Project 1

Filmbeschreibung:

Eine kleine Gruppe von Studenten verschwand vor nur einem Jahr spurlos in den Wäldern von Burkittsville, als sie gerade mitten in den Dreharbeiten für eine Reportage steckten, welche die Geschichte der Hexe von Blair erzählen sollte. Die Amateuraufnahme beginnt mit einigen Interviews mit den Dorfbewohnern und zeigt später den verstörenden Trip, welchen die 3 Studenten Heather, Mike und Josh in den düsteren Wäldern von Burkittsville unternommen hatten, um der uralten Legende auf den Grund zu gehen und Fakten für die Existenz der Hexe von Blair aufzutreiben. Bewaffnet mit einer 16 mm Filmkamera und unzähligen anderen Top Aufnahmegeräten, zeichnen die drei alles auf, was sie in den Wäldern zu Sehen bekommen. Doch schon nach nur kurzem Aufenthalt im Wald müssen die drei Freunde feststellen, dass hier tatsächlich etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Lage spitzt sich sehr schnell zu und die drei geraten in Panik. Die Frage bleibt also, was es wirklich ist, das die drei in den Wäldern hören. Ist die Hexe von Blair tatsächlich real oder spielt den drei Studenten ihr eigener Verstand einen bösen Streich? Es beginnt eine spannende Expedition die ein ungeahntes Ende nimmt. Zum Trailer

Filmkritik:

Nach den ersten acht Minuten geht es eigentlich erst los, mit der wirklichen Story von Blair Witch Project. Vorher wird alles irgend mögliche daran gesetzt, den Zuschauer in den Glauben zu drängen, alles was man in den nächsten 86 Minuten zu sehen bekommt, würde der Wahrheit entsprechen. Zugegeben gelingt das den Filmemachern scheinbar wirklich gut, denn immer wieder stellen sich die Betrachter von Blair Witch Project die Frage, was denn nun wirklich der Wahrheit entspricht und welcher Teil von Blair Witch Project an den Haaren herbeigezogen ist. Verstärkt wird der Glaube an die Echtheit sicher auch sehr stark durch die – im ganzen Film verwendete – Ego-Perspektive, die wirklich alles zeigt, was die drei Studenten auf ihrem Höllentrip erleben, fühlen und denken. Ebenfalls eine Erwähnung wert ist sicher der Punkt Spannung in Blair Witch Project, denn hier scheiden sich wirklich die Geister. Eine gewisse Spannungskurve mag der Film besitzen, denn immer wieder erweckt der Streifen den Anschein als würde in den nächsten Sekunden etwas wirklich schockierendes passieren. Doch ich kann es absolut nicht für gut heißen, wenn man mit den Köpfen der Betrachter spielt, denn an jeder der besagten Stellen passiert rein gar nichts und nicht ein einziges Phänomen, welches auf die Existenz der Blair Witch hinweisen könnte, wird in Blair Witch Project aufgezeigt, was dem Film – meiner Meinung nach – spätestens gegen Mitte den gesamten Wind aus den Segeln nimmt. Viel Freiraum lässt Blair Witch Project am Ende, denn für einen zweiten Teil wird bereits zu Beginn des Films Luft gelassen, als erwähnt wurde, dass man das Videotape der drei gefunden hat. Wirklich mit fiebern kann man durch diesen Hinweis sicher auch nicht mehr, da man ja schließlich schon zu Beginn weiß, dass zwar das Tape gefunden wird, die drei Studenten jedoch in den Wäldern verloren gehen werden. So ist das Einzige, was wirklich an den Film fesseln kann die Frage: Was ist in den Wäldern nun wirklich passiert? Diese Frage beantwortet der Film zwar ausführlich, jedoch auch sehr langwierig und gegen Ende etwas zu schnell für meinen Geschmack, nachdem noch zu Beginn eigentlich so gar nichts passiert ist. Noch ein Schlusswort zur Atmosphäre von Blair Witch Project, denn diese wurde sehr düster – manchmal etwas zu düster – und vor allem glaubhaft umgesetzt, was bei einem Budget von läppischen 60.000$ durchaus zu loben wäre.

Filme-Blog Wertung: 4/10

Die meisten Pluspunkte kann Blair Witch Project sich dadurch verdienen, dass der Film komplett aus der Ego-Perspektive gezeigt wird, welche die Filmbranche im positiven Sinne revolutionierte und auch später noch in Filmen wie Cloverfield oder REC 1 & REC² erfolgreich angewendet wurde. Immense Abzüge gibt es jedoch für die Schauspieler, die ihre Rollen nicht gerade überzeugend spielen und nicht wirklich vielseitig in Sachen Emotionen zu sein scheinen. Immer wieder Geheule, Geschreie und Panikmache ist es, was sich unter den drei Studenten breit macht und genau das, erschwert es dem Zuschauer immens, die vollen 90 Minuten über bei der Sache zu bleiben und immer genau hin zuhören, was einer der Protagonisten gerade vor sich hin schluchzt. Logischerweise ist die Kameraperspektive nicht immer optimal und manchmal wirklich unpassend oder so eingestellt, dass man nahezu nichts erkennen kann, was an manchen Stellen vielleicht für eine erhöht Spannung sorgt, jedoch zur meisten Zeit einfach nur als störend vom Zuschauer aufgefasst wird und Blair Witch Project somit in ein schlechteres Licht rückt. Auch die Dialoge sind nicht immer wirklich sinnvoll, was jedoch auch verständlich zu sein scheint, wenn man bedenkt, dass die drei Freunde in ihrer „Dokumentation“ wirklich alles aufzeichnen, was sie erleben und so kommt es auch dazu, dass der Betrachter zu mancher Zeit minutenlang wortwörtlich im Dunklen stehen gelassen wird und einfach gar nichts mehr sehen kann. Genau an diesen Stellen rechnet man normalerweise mit einem wirklich guten Schockmoment, doch in Blair Witch Project passiert an genau diesen Stellen einfach rein gar nichts und auch die so oft erwähnte Hexe von Blair bekommt man im ganzen Film nicht einmal zu sehen. Letztendlich ist Blair Witch Project 1, jedoch sicher der Film, der dem Betrachter den größtmöglichen Interpretationsfreiraum lässt, welcher dazu führt, dass sich jeder seine ganz eigene Meinung über das Ende des Films oder über seine Echtheit bilden kann. Somit bewegt sich Blair Witch Project 1 im oberen Bereich der 4 Sterne Wertung, kann es aber dennoch nicht ganz fertig bringen, die 5 Sterne Mauer komplett zu durchbrechen. Dafür gibt es einfach deutlich zu viele Kritikpunkte, über die man auch bei einem Film von 1999 nicht hinwegsehen kann.

Info:

Immer wieder rätseln unzählige Betrachter darüber, ob der Film wirklich auf einer wahren Begebenheit beruht und hierzu gibt es immer und immer wieder die selbe Antwort: Nein. Alles im Film ist komplett frei erfunden. Die Interviews sind inszeniert und auch sonstige Vorkommnisse oder scheinbare Falten über die Existenz der Hexe von Blair sind reine Fiktion.

Rekordhalter im Guiness Buch der Rekorde ist Blair Witch Project 1 dadurch geworden, dass das Verhältnis zwischen Produktionskosten und Einnahmen bei diesem Streifen unglaublich weit auseinander gehen und ein Film der 60.000 Dollar kostet und mehr als das 4000-fache dessen wieder in die Kassen der Produzenten gespielt hat, hat diesen Platz durchaus verdient.

Filmfazit:

Blair Witch Project ist ein wirklicher Meilenstein in Sachen Horrorfilmen, der besonders durch seine innovative Drehtechnik für besondere Spannung und gutes Gruselfeeling sorgen kann. Auch die Einnahmen zeigen ein deutliches Interesse der Zuschauer für die Story, über die unzählige Menschen rätseln, wie viel Wahrheit denn nun in ihr steckt. Doch auch wenn der Film noch heute in aller Munde ist, muss man auch gestehen, dass hier über ganze 86 Minuten nahezu nichts passiert und das der Film eben nicht mehr als eine Möchtegern Dokumentation darstellt, der schon nach wenigen Minuten die Luft ausgeht. Wer jedoch über diese ganzen Mankos hinweg sehen kann, für den sollte Blair Witch Project sicher einen absoluten Klassiker darstellen und gesehen haben sollte zumindest den ersten Teil jeder Fan des Genres einmal.

Filmtrailer:

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