Total Recall (2012)

total recall

Filmbeschreibung:

Eigentlich wollte ich hier einfach die Kurzusammenfassung von Total Recall – Die totale Erinnerung reinkopieren, da es sich bei dem 2012er Len-Wiseman-Streifen Total Recall um ein Remake des Klassikers mit Arnold Schwarzenegger handelt. Aber, wie das heute so ist bei Remakes, wurde natürlich mit der Handlung ein wenig Schindluder getrieben. Und so wäre bereits der erste Satz der Synopsis zu dem Paul-Verhoeven-Film von1990 – „Douglas Quaid träumt – Er träumt von einem Spaziergang auf dem Mars […]“ – faktisch falsch. Denn in Wisemans Total Recall gibt es keinen Mars. Träume gibt es aber durchaus. So träumt der „neue“ Douglas Quaid vom beruflichen Aufstieg. Der Fabrikarbeiter lebt in der als „Kolonie“ bezeichneten Enklave Australien; einem der letzten beiden Orte auf der Erde, die im Jahre 2087 nach einem verheerenden Krieg mit Chemiewaffen, noch bewohnbar sind. Der andere dieser letzten Zufluchtsorte ist Großbritannien, die United Federation of Britain (UFB). In der UFB leben – wie das nun mal so ist, in Film gewordenen Dystopien – die Reichen und Mächtigen; im ärmlichen slumähnlichen Australien die Armen und die Arbeiter. Douglas Quaid lebt dementsprechend auf der südlichen Erdhalbkugel. Tagtäglich fährt (oder besser „fällt“) er mit dem Hochgeschwindigkeitstransporter „The Fall“ auf die andere Seite. Dort baut er Roboter für Kanzler Cohaagens Armee. Doch nicht alle geben sich mit dem ärmlichen Leben in der Kolonie zufrieden: Widerständler und Rebellen führen Blitzangriffe auf die UFB durch. Quaid möchte von all dem Blutvergießen um ihn herum nichts wissen; er flüchtet sich lieber in seinem Traum vom Aufstieg. Als er zum erneuten Male zunichte gemacht wird, begibt er sich zur Firma „Rekall“, die so genannte Gedankenausflüge anbieten und so mehr Lebensfreude für den armen Arbeiter versprechen. Besonders verlockend erscheint für Quaid der Ausflug in die Gedankenwelt eines Geheimagenten. Und tatsächlich stehen schon Sekunden später dutzende bewaffnete Polizisten vor ihm, die er schnell und effektiv ausschaltet. „Toller Traum“, denkt sich Quaid da sicherlich, doch schnell bemerkt er, dass er gar nicht in einer Traumwelt ist, sondern im real life. „Rekall“ hat etwas in ihm frei gesetzt, was er zuvor nur zu träumen wusste. Quaid macht sich auf dem Widerstand mit seinen neuen Fähigkeiten zu helfen. Zum Trailer

Filmkritik:

Als Fan des Originals geht man ja generell skeptisch an Remakes. Natürlich war das auch bei der 2012er-Version von Total Recall von Regisseur Len Wiseman (Underworld, Underworld: Evolution, Sirb langsam 4.0) so, zählt das Original doch zu einem regelrechten Genre-Klassiker (Warum? Bitte hier weiterlesen). Dann sickerten Ende 2011 auch noch die ersten Infos durch. Colin Farrell (Fright Night, Das Kabinett des Dr. Parnassus) sollte in die Rolle des Hauptcharakters schlüpfen – naja. Aber dann gab es da auch noch diese Storyänderungen: Die Erde – ein von Kriegen verwüsteter Moloch, den sich die Armen und Reichen in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft teilen? Und dann das Schlimmste: Es sollte keinen Mars im Remake geben. Umso erstaunlicher, da Quaids Träume des roten Planeten im 1990er Original doch das auslösende Moment für alles Weitere waren. Selbst in der literarischen Vorlage von Philip K. Dick spielt der Mars eine tragende Rolle. Warum also auf diesen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte verzichten, fragt sich der geneigte Science-Fiction-Fan, doch muss er bald einsehen, dass das Fehlen des roten Planeten gar nicht mal so schlimm ist. Total Recall würde auch ohne den Mars funktionieren – das merkt man dem Remake an. Womit Total Recall aber nicht funktioniert, sind die selten dämlichen Designentscheidungen, die dem Film letztlich das Genick brechen. Zum Beispiel „The Fall“. Im Film groß als das „Instrument der Unterdrückung“ beschrieben ist letzten Endes ein einfaches Fortbewegungsmittel. Die Ausbeutung und Unterdrückung der Armen wird im Film zwar angesprochen, jedoch niemals wirklich grafisch abgebildet. Klar, Quaid beschwert sich über die quasi nicht vorhandenen Aufstiegschancen, aber danach geht er auf ein, zwei, drei Bier mit seinem Kumpel in eine gemütliche Bar und hat anschließend Sex mit seiner hübschen Frau (Kate Beckinsale). Von Leid, Armut und Tod ist da keine Spur. Ein ähnliches Problem plagte bereits den Abschluss der Nolan’schen Batman-Trilogie The Dark Knight Rises, so störend wie bei Total Recall war es aber dort beileibe nicht. Aber darüber könnte man auch hier hinwegsehen.

Filme-Blog Wertung: 4/10

Nicht hinwegsehen kann man im Gegensatz darüber, dass Regisseur Wiseman quasi alles aus dem Original herausgenommen hat, was ihn so besonders machte. Um nicht zu viel zu verraten. Im letzten Drittel von Total Recall – Die totale Erinnerung gibt es einen Twist, der vollkommen unerwartet kommt und den gesamten Film auf den Kopf stellt – in positiver Weise. Bei Total Recall fehlt dieser nun völlig. Ab dem Zeitpunkt, wo Farrell aka Quaid sich in den Rekall-Sessel setzt, kommt die Geschichte völlig ohne Wendungen aus. Unglaublich schade, weil durchaus gute Ansätze da sind: Die Dystopie von Total Recall sieht gut aus. Unschärfeeffekte und Überblendungen sowie die gesamte Lichtstimmung erinnern an das Game-Epos Mass Effect. Die Actionszenen sind spektakulär und sowohl Colin Farrell, Kate Beckinsale (Pearl Harbor, Motel) als auch Jessica Biel (Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben, Valentinstag) liefern eine gute Figur ab – zumindest im Rahmen der doch recht engen Möglichkeiten. Um dem Fan des Originals dann doch noch gerecht zu werden, gibt es zwei, drei Hommagen, die dann doch vollkommen am Verstand Wisemans zweifeln lassen. Da ist beispielsweise die drei-brüstige Frau. Im Original eine durchaus charmante Art und Weise die auf dem Mars lebenden Mutanten einzuführen. In Total Recall hingegen ist es einfach nur dumm und aufgesetzt, da es in der Welt des Remakes eigentlich gar keine Mutanten gibt. Eine Chance, die bereits die Verhoeven-Interpretation außer acht lies, war dass der Regisseur nicht damit spielte, wann und ob sich Quaid im Traum oder in der Realität befindet. Auch Wiseman betont diesen Aspekt in keinster Weise und erzählt eine geradlinige wendungsarme Geschichte. Schade, denn das hätte Total Recall noch retten können.

Filmfazit:

Überflüssig, überflüssig, überflüssig! Warum dreht man ein Remake und nimmt ihm alle Merkmale, die das Original zu etwas Besonderem machten? Total Recall ist ein unterdurchschnittlicher Sci-Fi-Actioner, der dem Original Total Recall – Die totale Erinnerung in keinster Weise gerecht wird. Len Wiseman, dreh bitte wieder weiter an Underworld – die Reihe interessiert mich nicht…

Filmtrailer:

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3 Gedanken zu “Total Recall (2012)

  1. ich habe den Film letztens wieder auf Blu Ray gesehen und fand ihn eigentlich nicht schlecht – zwar sieht er in erster Linie gut aus und bietet im besten Fall seichte Unterhaltung dennoch finde ich 4 Punkte etwas streng!

  2. Hey Darkagent,
    ok, hast Recht: die Wertung ist etwas streng; 5 Punkte hätten auch drin sein können, weil er handwerklich und “optisch” wirklich nett gemacht ist. Allerdings haben mich die (fehlenden) Parallelen zum Original massivst gestört! Wollte einfach deutlich machen, dass der Streifen im Vergelich zu Total Recall – Die totale Erinnerung unglaublich abstinkt, da ihm wirklich alles genommen wurde, was ihn besonders machte. :) Ich hab mir nachträglich sogar noch den Extended Cut angesehen (angetan, wäre passender): Interessant ist, dass ein kompletter Auftritt von Ethan Hawke (!) rausgeschnitten (!!) wurde – hat den Streifen aber auch nicht voran gebracht. Das alternative Ende ist ebenfalls dämlich – ich hab fünf, ah was zehn Ideen, wie man das interessanter gestalten hätte können.

    EDIT: Hab Total Recall übrigens auch auf Blu-ray und im Bezug auf Bild- und Ton ist er wahrlich ein Referenzprodukt!

    • sie hätten den film halt besser vom orginal abgrenzen sollen – das andere ende macht es halt noch klarer wie das der kinofassung was vermutlich wirklich gelaufen ist – und ja ethan hawk ist umsonst mit dabei im extended cut ;)

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