Outrage (2010)

outrage

Filmbeschreibung:

Ikemoto, Chef des Sanno-Clans, schloss während eines Gefängnisaufenthalts Blutsbrüderschaft mit dem ehemaligen Rivalen Murase. Dem Kaicho, dem Vorsitzenden der Clans, passt diese Konstellation überhaupt nicht, da Murase sein Geld mit Drogengeschäften macht und ihm nicht treu ergeben ist. Will Ikemoto in der Gunst des Kaicho nicht völlig untergehen, solle er gefälligst ein Exempel an einem von Murases Männern statuieren. Ikemoto schickt seinen Leutnant Otomo um bei den Yakuzas von Murase für etwas Wirbel zu sorgen. Mit dem dadurch in Bewegung gesetzten Teufelskreislauf aus Aktio und Reaktio hat jedoch keiner der Beteiligten gerechnet… Zum Trailer

Filmkritik:

Das Genre des Gangsterfilms ist ein sehr spezielles. Ähnlich wie im Western sind hier eigentlich alle Geschichten erzählt. Die Filme handeln von Ehre und Rache, von Treue und Verrat. Doch auf wundersame Weise kommen selbst nach Filmtrilogien wie dem Paten immer wieder neue – mal mehr, mal weniger erfolgreiche – Streifen, die ihren Handlungsrahmen im Gangstermilieu verorten, in die Kinos. Man denke nur an Scorseses The Departed – Unter Feinden – oder Cronenbergs Eastern Promises – Tödliche Versprechen. Allesamt Filme, deren Handlung man so schon hundertmal gesehen hat, die dennoch erfolgreich und beileibe nicht schlecht sind. Ganz ähnlich verhält es sich mit japanischen Produktionen, in denen anstatt der amerikanischen Cosa Nostra oder den russischen Kartellen, die Yakuza in den Mittelpunkt rückt. Das organisierte Verbrechen Japans wurde von Takeshi Kitano bereits mehrmals auf die große Leinwand gebracht – sei es als Regisseur oder als Darsteller. Bei Outrage übernimmt er, wie zuvor bei Brother, beide Parts und liefert sein absolutes Opus Magnum ab! Kitano zeichnet ein Bild der Yakuza, das sich von dem anderer Genre-Vertreter abhebt. Ehre, das zentrale Handlungsmotiv beispielsweise in den Gangster-Filmen von Johnnie To oder John Woo, gibt es höchstens als vorgelogenes Motiv. Der Ehrbegriff ist leer und sinnlos geworden. Für die Verbrecher, die sich in der Welt von Outrage bewegen, zählt nur Geld, Prestige und Macht. Der Kaicho – quasi so etwas wie der Pate und in den Klassikern des Genres meist eine Art letzte moralische Instanz – ist nur auf den Erhalt seines eigenen Status bedacht und spielt seine Untergebenen gnadenlos gegeneinander aus. Die Oberhäupter der einzelnen Familien buckeln nach oben, nur um ihre Untertanen wie Leibeigene zu opfern und zu verschleudern.

Filme-Blog Wertung: 8/10

Neben den neuen Wegen, die Outrage bei der Handlung einschlägt, ist es auch die Inszenierung und die Regie Kitanos, die ihn zu etwas ganz besonderem machen. Outrage ist in vielerlei Hinsicht experimentell. Das beginnt bei der Schnittfolge, die so gar nicht harmonisch wirkt, aber eben gerade durch ihre harten Schnitte umso packender wirkt. Kitano schneidet munter Szenen aneinander ohne eine visuelle oder textliche Erklärung von Zeit und Raum. Das wirkt gerade zu Beginn sehr irritierend und könnte den ein oder anderen gar zum Abschalten bewegen – ein Fehler, den man tunlichst vermeiden sollte. Des Weiteren ist der Erzählstil sehr langatmig – manch einer mag gar von langweilig sprechen. In dieser Hinsicht macht er beinahe Andrew Dominiks Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford Konkurrenz. Über große Strecken des Films passiert sehr wenig, doch genau damit entlarvt Kitano den perfiden Kreislauf des organisierten Verbrechens. Das alles soll nicht heißen, dass man auf die für Kitano typischen Gewalteruptionen verzichten muss: Da werden schon mal Essstäbchen in Ohren gerammt oder – das muss ja sein in einen Yakuza-Film – kleine Finger abgeschnitten. Trotz dieser sehr experimentellen Komponente bedient sich der japanische Regisseur oftmals an westlichen Vorbildern. So gibt es eine Badehaus-Szene, die frappierend an den erwähnten Eastern Promises von Cronenberg erinnert: Hommage oder Plagiat – das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Filmfazit:

Outrage ist der Requiem für das Genre des Yakuza-Films. Jeder Regisseur, der sich nun noch an einen Film über das japanische Gangstermilieu wagt, gibt sich unweigerlich der Lächerlichkeit preis.

Filmtrailer:

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