Battle Royale – Nur einer kann überleben (2002)

Battle Royale

Filmbeschreibung:

Im Jahr 2000 tritt in Japan die Millennium-Bildungsreform in Kraft. Das Land ist gebeutelt von hoher Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität und Perspektivlosigkeit. Die Bildungsreform, im Volksmund „BR-Gesetz“ genannt soll hier Abhilfe schaffen – mit radikalen Mitteln. Jedes Jahr wird eine Schulklasse ausgewählt, welche auf einer abgelegenen Insel, Teil eines perfiden Spiels wird: Nur ein Schüler darf die Insel lebend verlassen. Unter den Schülern der Klasse 3B der Shiroiwa-Mittelschule (entspricht etwa der neunten Klasse in Deutschland) entbrennt ein Kampf ums Überleben. Alle Aktionen werden von dem sadistischen Ex-Klassenlehrer Kitano kommentiert. Unter den Schülern kommt es zu Zweckgemeinschaften; doch es brechen auch alte Rivalitäten und verborgene Liebschaften durch. Zum Trailer

Filmkritik:

„Kinder sind die Zukunft!“ heißt es häufig, hört man sich Reden von Politikern an. Battle Royale von Kinji Fukasaku (1930-2003) führt dieses oft zitierte Mantra in seinem letzten Film ad absurdum. Im Japan des Jahres 2000 sind Kinder und Jugendliche nicht die Zukunft, sondern deren Ende – so zumindest ist der gesellschaftliche Grundtenor, repräsentiert durch das BR-Gesetz, angesiedelt. Fukasaku beraubt diese Kinder ihrer Unschuld, reißt aber gleichzeitig einer Gesellschaft die Maske herunter, die Kindheit verraten und verkauft hat. Als Battle Royale 2000 in Japan Premiere feierte, ging ein Aufschrei durch die Reihen von Politikern und Pädagogen, der es bis ins japanische Parlament schaffte. „Darf man das? Kinder als Mörder darstellen? – Natürlich nicht!! Zensur!!“ Das eigentliche Problem der selbsternannten „Sittenwächter“ war wohl neben den expliziten Gewalthandlungen, die von Kindern und Jugendlichen ausgeführt werden, die Tatsache, dass sie von Erwachsenen eben zu den selbigen gezwungen werden. Fukasakus Filmrealität entführt uns in eine Dystopie, in der das gegenseitige Abmetzeln von Schulklassen zu einer modernen Variation von Gladiatorenkämpfen geworden ist. Das Volk wird mit „Brot-und-Spielen“ bei Laune gehalten, während die wirklichen Probleme totgeschwiegen werden und ungelöst bleiben. Dies allein würde schon reichen, um Battle Royale für ein westliches Publikum angenehm verschränkt und unzugänglich wirken zu lassen. Verstärkt wird dieser Effekt jedoch noch durch eine gehörige Portion Kitsch – da ist der verschmähte Liebhaber der Schulschönheit, der erst mit der Waffe in der Hand in der Lage ist, seiner Angebeteten seine Gefühle zu gestehen. Oder das Liebespaar, welches lieber gemeinsam in den Freitod geht, anstatt sich auf das perverse Kräftemessen des Lehrers Kitano einzulassen. Und dann ist da auch noch die Schülerin, die trotz dem Wahnsinn den Kitano seinen „Schützlingen“ antut, immer noch Gefühle für den Mann hat – und umgekehrt. Regisseur Fukasaku mixt in Battle Royale also munter die Genres: Von der Soap-Opera über die Highschool-Komödie bis hin zum Action- und Splatterfilm ist alles dabei. Zur Jahrtausendwende war das japanische Kino bereits für seine extremen, die Grenzen des Zeigbaren auslotenden Filme bekannt. Selbst ernannte „Snuff-Filme“, wie Guinea Pig sind bis heute in Deutschland nur schwer zu bekommen und erfreuen sich einer ganz eigenen Zensurgeschichte. Battle Royale erschien zu einem Zeitpunkt, als Japan nur wenige (Horror-) Splatterfilme exportierte. Nur wenige Filme erreichten damals eine solche Bekanntheit. Mittlerweile ist besonders der Fun-Splatter-Anteil erheblich gestiegen: Die Filme von Noboru Iguchi (Machine Girl, Mutant Girls Squad) entbehren zwar auch nicht einer gewissen Gesellschaftskritik, die meisterhaft stilvolle Inszenierung eines Battle Royale geht ihnen aber ab. Fukasaku entzauberte mit Battle Royale den „Mythos“, das Kinder die Zukunft seien, die Zeit wird zeigen, was die Zukunft des japanischen extremen Kinos ist.

Filme-Blog Wertung: 8/10

Besonders der Soundtrack des Films muss hervorgehoben werden. Krasseste Tötungsszenen werden von klassischen Stücken – von Johann Sebastian Bach bis Giuseppe Verdi – untermalt und so gegeneinander kontrastiert. Somit entfalten diese Szenen einen ganz besonderen Reiz und stellen vielleicht den audio-visuellen Versuch dar, die „Schönheit des Tötens“ – die das Publikum der BR-Shows ja zu sehen scheint – auf der tonalen Ebene abzubilden.

Filmfazit:

Battle Royale ist die Seifenoper unter den gesellschaftskritischen, kontroversen Splatterfilmen. Fans kennen ihn eh schon, Neulinge sollten vielleicht auf das – immer noch in der Schwebe hängende – Hollywood-Remake warten.

Filmtrailer:

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